Das Scheinwerferlicht im Berliner Varieté-Theater „Scala“ flackerte im Takt des Swing, doch der 18-jährige starrte im Jahr 1935 weder auf die Tänzerinnen noch auf das Orchester. Seine Augen fixierten einen Zuschauer ein paar Reihen weiter vorn. Der Mann hielt ein kleines, rechteckiges Stück gefrorenen Luxus in der Hand – Eis an einem dünnen Holzstab. Eine Sensation aus Amerika, im Berlin der 1930er Jahre noch völlig unbekannt.
Theo war fasziniert. Er spürte sofort, dass dieser kleine Holzstiel die Welt der kalten Süßspeisen für immer verändern würde.
Zwei Jahre später, im Jahr 1937, war die Vision Realität geworden. Gemeinsam mit seinem Bruder Karl schuftete Theo im heimischen Nürnberg. Die ersten Maschinen liefen heiß, die Formen wurden in Handarbeit gegossen. Doch die Geburtsstunde dieses Traums gehörte ganz der pulsierenden Hauptstadt, weshalb das neue Produkt seine Berliner Wurzeln stolz im Namen tragen sollte: Der „Kalte Kuss“ kam auf den Markt.
Unter den ersten vier klassischen Sorten gab es einen heimlichen Star. Neben Vanille und Erdbeere war es vor allem das dunkle, tiefbraune Schokoladeneis, das die Menschen verzauberte.
Theo erinnerte sich genau an den Geschmackstest der ersten gelungenen Schokoladen-Charge: Es war kein gewöhnliches, blasses Milcheis. Der Kakao war herb, intensiv und legte sich wie ein schwerer Samtmantel um die eisige Kälte. Wenn man hineinbiss, splitterte die hauchdünne Kakaoschicht mit einem leisen Knacken, gefolgt von der cremigen, eiskalten Süße im Kern. Es war exakt das Gefühl jener Berliner Nacht im Varieté – aufregend, neu und ein bisschen verrucht.
Der „Kalter Kuss“ mit Schokoladengeschmack wurde für die Menschen zu einem erschwinglichen Moment des puren Genusses im Alltag. Ein kurzer, intensiver Flirt mit der Moderne, der auf der Zunge zerging und den Grundstein für ein ganzes Eis-Imperium legte.